Als Sohn des Erfinders Dädalus, des Architekten des berühmten Labyrinths für den Minotaurus auf Kreta, wurde er mit seinem Vater im Labyrinth eingesperrt. Dies brachte ihn auf die Idee, Flügel zu bauen, um zu entkommen. Trotz der Warnungen seines Vaters, nicht zu hoch zu fliegen, näherte sich Ikarus der Sonne, deren Hitze das Wachs schmolz und ihn ins Meer stürzen ließ.
Datum: 1854
Material: Marmor
Standort: Historisches Museum des Schlosses Miramare (Triest)
Inschrift: IN.ZO FRACCAROLI 1854
„Dädalus befestigt Ikarus die Flügel“ ist eine berühmte Skulpturengruppe von Innocenzo Fraccaroli. Entstanden während seiner Studienjahre an der Akademie der Schönen Künste in Venedig (1824–1829), reichte er das Gipsmodell 1829 beim renommierten Brera-Wettbewerb ein und gewann den ersten Preis. Diese Auszeichnung markierte einen Wendepunkt in Fraccarolis Karriere: Der Mailänder Preis ermöglichte ihm von 1830 bis 1835 ein weiterführendes Studium in Rom, einer Stadt, die damals als internationales Kulturzentrum und beliebtes Ziel für Künstler aus ganz Europa galt. Der Bildhauer greift auf die mythologische Episode zurück, die Ovid in den Metamorphosen erzählt: Dädalus befestigt seinem Sohn Ikarus gefiederte Flügel, um aus Minos’ Labyrinth auf Kreta durch die Lüfte zu fliehen, da ihm die Flucht über das Meer verwehrt blieb. Die Geschichte von Dädalus und Ikarus thematisiert symbolisch das nie vollendete Ziel des menschlichen Fluges – ein Wunsch, der Wissenschaftler und Erfinder seit Leonardo da Vinci fasziniert. Unter den verschiedenen bekannten Repliken dieses Werkes befindet sich eine, die im Schloss Miramare aufbewahrt wird: Sie wurde 1854 aus Marmor gefertigt und im folgenden Jahr in Paris ausgestellt. Drei Jahre später wurde sie von Erzherzog Maximilian von Habsburg von Österreich für seinen eigenen Wohnsitz erworben.