Der römischen Mythologie zufolge war Justitia eine Göttin, die über die Menschheit wachte und für Gerechtigkeit sorgte. Der Legende nach verließ sie, desillusioniert von der menschlichen Ungerechtigkeit, die Erde und stieg in den Himmel auf, wo sie zum Sternbild Jungfrau wurde.
Datum: 1866
Material: Marmor
Standort: Kathedrale Sant’Alexander Märtyrer, Altar des Heiligen Kreuzes von Bergamo
Inschriften: IN.ZO FRACCAROLI 1866 (unten rechts)
Die von Innocenzo Fraccaroli aus Marmor geschaffene Justitia-Statue befindet sich links vom Altar in der dem Heiligen Kreuz geweihten Kapelle der Kathedrale von Bergamo, neben der Statue der Barmherzigkeit. Justitia stellt eine allegorische, aufrecht stehende Frauengestalt dar, die ein langes, bis zum Hals reichendes Gewand trägt, das mit einem Knopf geschlossen wird. Die Symbole der Justitia sind deutlich erkennbar: Das in der einen Hand gehaltene und nach oben gerichtete Schwert symbolisiert Stärke und Strenge; Der Olivenzweig hingegen symbolisiert Frieden und Ausgewogenheit; die Waage, ein universelles Symbol der Gerechtigkeit, schmückt das Diadem auf ihrem Haupt. Der Bildhauer beweist zudem große Sorgfalt für ästhetische Details, wie etwa die Frisur mit gewelltem, teilweise hochgestecktem Haar, von dem nur wenige Locken auf die Schultern fallen und die Zartheit des Gesichts und die Harmonie der Figur unterstreichen. Ein Gipsmodell der Justitia existiert und wird in der Seitenkapelle der Pfarrkirche von Castelrotto, dem Geburtsort des Bildhauers, aufbewahrt. Dieses Modell, dem das Schwert fehlt, ist ein wertvolles Zeugnis der Ausführungstechnik und des Schaffensprozesses des Künstlers. Es wurde von Fraccaroli selbst zusammen mit dem Gipsabguss der Misericordia gestiftet.